PERIPHERIE


24.-27.11.2011



Die Peripherie steht unter dem schlimmsten Verdacht, den die zivilisierte Welt formulieren kann: ihr Gegenteil zu sein. Kulturelle Eliten aller Epochen spielten virtuos auf der Klaviatur von drinnen und draußen. Die Verortung der eigenen Position im Zentrum war ausgemachte Sache doch es blieb eine heimliche Faszination für die Nicht-Kultur an der Peripherie: Immerhin war sie befreit von den Ambivalenzen des Fortschritts, kannte keine Sünden und Laster, sondern nur die Reinheit nativen Lebens. In den Dichotomien von Kultur vs. Natur und Zivilisation vs. Wildnis deuten sich bereits die vielfältigen Anschlussmöglichkeiten an, mit der das Denken vom Rande her zu einer universellen Allegorie wird.


Unfairerweise sehen sich Begriffe, die aus der Geographie entlehnt wurden, gerade wegen ihrer Anschlussfähigkeit auch mit dem Vorwurf konfrontiert, nur noch sinnentleerte Schlagworte der vom Spatial Turn erfassten Kulturdebatten zu sein. Das Siegener Konzept würdigt einerseits das Raumparadigma als produktive Metaphernschule; andererseits soll der Peripheriebegriff gerade nicht als Deutung des Raums, sondern als Abstraktion kunstinterner und -externer Beziehungen verstanden werden. Dies lässt sich veranschaulichen, indem ein Blick auf die Bedingungen geworfen wird, unter denen Kunst überhaupt erst entstehen kann. Die Unterscheidung von Zentrum und Periphierie meint hier den Widerspruch von Establishment und Randgruppe, der durch die soziale und ökonomische Brutalität des Kunstmarktes erzeugt wird.


Spielen wir das Metaphernspiel weiter und betrachten Massenkultur, Handwerk und andere Felder der Produktion, die sich an der Peripherie des Kunstsystems befinden: Hier ist stets ein Balanceakt zu meistern zwischen dem Renomee eines Unikats und dem Funktionsprimat des schnöden Exemplars. Der Aurabegriff, den die Kunsttheorie hier angesiedelt hat, führt schließlich zur Frage nach der Lokalisierung: Ist der Ort der Kunstgenese das Werk, an dessen Peripherie sich der Betrachter befindet - oder existiert das Werk selbst nur im Wahrnehmungshorizont des Betrachters?


Die Unterscheidung von Peripherie und Zentrum bietet nicht nur vielfältge Anschlussmöglichkeiten zur Reflexion in der Kunst und zur Reflexion über die Kunst. Der Verweis auf den Buzzword-Charakter des Wortes Peripherie soll bedeuten, genau dieses Deutungskonzept zu hinterfragen. Somit bleibt sich das Leitmotiv des Siegener KSK quasi selber fremd. Die Peripherie steht schließlich im Zentrum (oder umgekehrt).



UNI SIEGEN: WALD & BETON seit 1972





Die Stadt Siegen blickt auf eine 400-jährige Hochschultradition zurück. Die heutige Universität wurde aber erst 1972 gegründet und bildet seitdem das akademische Zentrum des Dreiländerecks NRW, Hessen und Rheinland-Pfalz. Die 14.000 Studierenden sind verteilt auf zwölf Fachbereiche und sieben Campusareale. Die Forschungsschwerpunkte der Universität liegen in den Bereichen "Medienumbrüche", "Gesellschaftliche Transformation" und "Dezentale Organisation".


Die Siegener KSK-Gruppe setzt sich vorrangig aus Studierenden des Fachbereichs Kunst zusammen. Als akademischer Zweig mit traditionell großer Eigenständigkeit legt die Siegener Kunstfakultät wert auf eine starke Vernetzung von Kunstwissenschaft und künstlerischer Praxis. Die Uni Siegen verfügt über ein einmaliges historisches Ateliergebäude mit 4.000 qm Arbeitsfläche und kooperiert eng mit dem Siegener Museum für Gegenwartskunst, das den renommierten Rubenspreis der Stadt Siegen vergibt.

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